Ceneviz Sarayı, Palazzo del Commune, Podestat

 

Praktische Information

Adresse: Das Gebäude befindet sich an der Ecke der Kart Çınar und Galata Straße.

Niran gibt eine allgemeine Einleitung vor einem Gebäude aus dem 14. Jahrhundert.

 

Historische Informationen

Wir haben keine Information gefunden, wann genau dieses Gebäude gebaut worden ist, aber wir wissen, dass die Genuesen schon zu Beginn des 14. Jahrhunderts mit dem byzantinischen Reich einen Vertrag abgeschlossen und damit Privilegien gehabt haben. Der achte Stadtteil, Galata, wurde damit den Genuesern übergeben und von diesen mit den Mauern umgeben, deren Reste wir auch heute noch sehen können. Das Gebäude gehörte dem Podestat und war damit Sitz der genuesischen Verwaltung. 1315 stand ein großer Teil von Galata in Brand; auch der Palazzo del Commune wurde dabei durch das Feuer zerstört. 1316 wurde das Gebäude im gotischen Stil neu aufgebaut. Damit ist es das älteste Beispiel für diese europäische Architekturströmung in Istanbul. Die Fenster hatten exakte gotische Formen. Der Palast bewahrte sein ursprüngliches Aussehen und seine Funktion bis zum Ende des 17. Jahrhunderts. Im 19. Jahrhundert kaufte die Familie Franchini das Gebäude und verwendete es als Herberge. Folgende Geschichte wird über die Familie Franchini und dieses Gebäude erzählt:

"Die Familie Franchini hatte Verwandte in Italien, an die sie Seidenstoffe verkaufte. Im Gegenzug dazu importierten sie von den Verwandten verschiedene Zuckerwaren, die in ganz Istanbul beliebt und bekannt waren. Die ganze Familie arbeitete dabei fleißig und verdiente auch ganz gut!

Aber eines Tages sagte die jüngste Tochter dem Vater, dass sie sich in einen Mann verliebt hat und ihn auch heiraten will. Das Problem war: Er war ein Türke. Nicht nur der Vater, die ganze Familie war dagegen. Die Tochter floh aber mit dem jungen Mann. Die Familie ärgerte sich darüber, und wollte gleichzeitig, dass dieses Ereignis nicht bekannt wurde. Besonders vor den konservativen Verwandten in Italien, die ihnen die bekannt und beliebt gewordenen Süßwaren ja günstiger verkauften, musste diese peinliche Situation verheimlicht werden. So entschloss sich die Familie dazu, das Interesse der Leute schnell auf etwas anderes zu lenken. Sie hatten keine Zeit um lange nachzudenken und so erfanden sie schnell eine Geschichte über die Herberge. Der Vater Franchini erinnerte sich an das alte Medaillon mit dem der Eingang des Palastes geschmückt war. Die Franchinis arbeiteten hart und stellten aus Zucker und Schokolade Duplikate dieses Medaillons her. Am nächsten Tag zeigte der Vater Franchini seinen Kunden stolz diesen Beweis der alten Geschichte der Familie. Viele Istanbuler kamen zum Geschäft, um dieses Medaillon zu besichtigen und die Duplikate aus Schokolade zu kaufen. Auch die Verwandten waren stolz drauf, weil es sich doch um einen Hinweis auf ihre alte genuesische Geschichte in Galata handelte. Und die Familie Franchini verdiente weiter gut... Auch wenn sich Tochter und Vater nie mehr versöhnten, so erbten sie und ihr türkischer Ehemann doch dieses Gebäude. Sie ließen eine Hälfte stehen, die andere aber bauten sie neu. Und das ist der Grund warum der ursprünglich gotische Palazzo del Commune heute zwei Hälften hat: die alte die nach Galata blickt und die neue, die auf die Seite der Bankalar Caddesi schaut."

 

Das ist aber nur eine Legende, die außer dem Namen der Besitzer eigentlich keine historische Realität aufweist. Über den heutigen Zustand des Gebäudes möchte eigentlich kaum mehr jemand sprechen. Zu Mitte des 19. Jahrhunderts zeigte sich dieses Gebäude noch in seiner gotischen Pracht. Der heutige Zustand stammt aus dem ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts, als eine Gebäudehälfte niedergerissen und durch die gesichtslose Fassade ersetzt wurde, die wir auch heute noch sehen. Der Zustand dieses Gebäudes zeigt uns wieder, wie wenig Wert man auf die Erhaltung geschichtlicher Sehenswürdigkeiten gelegt hat. Heute ist es wirklich schwierig zu erkennen, dass dieses Lagergebäude einmal der Palast der Genueser in Galata war.

Der heutige Zustand
Eine Ansicht aus dem 18. Jhdt.